#1 Was mir ein an Parkinson-Erkrankter über das Leben lehrte von chris 09.01.2015 05:35

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Was mir ein an Parkinson-Erkrankter über das Leben lehrte

veröffentlicht von Sheena Amin in Wellness am 6. Jan 2015
übersetzt von Christian Mögel, www.mlp-online.de

Wenn es etwas gibt, das ich zum Leben brauche, dann ist es Liebe. Wenn ich mich nicht selbst liebe bin ich weder in der Lage, selbst zu überleben, noch jemand Anderen zu lieben. Ich würde unsicher, instabil,von Anderen abhängig und in emotioneller Aufruhr. Bei Parkinson ist es, wie bei jeder schweren Krankheit, wichtig Etwas oder Jemanden zu haben.

Morbus Parkinson befällt einen Menschen ohne Vorwarnung und setzt sich in ihm fest. Was Parkinson-Patienten fehlt ist Dopamin, ein Neurotransmitter, über den die Bewegungen gesteuert werden.

Da das Gehirn zu wenig Dopamin ausschüttet treten Zittern, Sprachprobleme, Verlust des Gleichgewichtssinns, Schluckbeschwerden und emotionale Unsicherheit auf. Lassen Sie mich von einem an Parkinson erkrankten Mann erzählen und was ich von ihm über mein Leben lernte.

Die Augen waren halb geschlossen, die Arme steif. Er lag auf seinem Bett, atemlos in der Stille und überlegte wie er den Arm strecken und die Zehen gerade stellen würde. Seine Hände zittern als er sich nicht bewegen kann.
Seine Hände werden feucht als er versucht langsam Wasser in ein Glas zu gießen. Er muss aufgeben weil nicht kontrollierbare Impulse seinen Körper steuern. Ich rufe die Schwester damit er seine Medikamente bekommt. Mit der Zeit entspannt er sich und ist wieder in der Lage, seine Bewegungen zu steuern
Willkommen in der Welt von Nathan, erst ein Patient, jetzt ein Freund. Ich durfte ihn beobachten, besser kennenlernen und mich um ihn kümmern.
Jedes meiner Praktika in der Klinik verbrachte ich mit diesem unglaublichen Mann. Es ist nicht leicht, Jemanden zu finden, der dieser grausamen Krankheit, die er nicht besiegen kann, mit so viel Optimismus und Zuversicht entgegen tritt.
Ich konnte miterleben, mit welcher Gelassenheit und Selbstverständlichkeit er gegen die Krankheit kämpfte. Ich wurde erst ruhiger als er mit mir seine Ansichten über das Leben, auch mit einer solchen Krankheit teilte.
Er fand immer etwas Heiteres an seiner Situation. So erzählte er mir von seinem ersten schweren Tremor-Anfall. Er hatte eine tiefgehende Begegnung mit „Parkie“ (so nannte er seinen Parkinson), fiel zu Boden und fand dort den Ohrring seiner Frau, den sie schon längere Zeit gesucht hatte.
Von ihm lernte ich, dass es immer einen Weg gibt, die kleinen Dinge des Lebens wertzuschätzen und etwas zu finden worüber ich lachen kann.

Ich sah ihn das Gleichgewicht verlieren und stolpern. Er brachte mir bei, dass das Gleichgewicht im Leben nicht davon abhängt, ob man stolpert oder hinfällt.
Ich sah in steif werden, nicht mehr in der Lage, sich zu bewegen. Er zeigte mir, flexibel zu bleiben und mit dem Bewusstsein, dass Jeder seine Herausforderungen und Hindernisse zu überwinden hat, durchs Leben zu gehen.
Ich habe miterlebt wie er sich bemühte deutlich zu sprechen und trotzdem nur stammeln konnte. Dadurch wurde mir bewusst wie wichtig es ist, meinen Standpunkt zu vertreten und mit Anderen zu kommunizieren.
Die Art und Weise, wie er mit der Abhängigkeit von den Medikamenten, die seine Symptome unter Kontrolle hielten, umging, machte mir klar, dass es nichts Schlimmes ist, sich auf andere Menschen zu verlassen und um Hilfe zu bitten, wenn ich sie benötige.
So wie er mit seinen Schmerzen umging, wenn die Muskeln sich wieder verkrampften, zeigten mir, dass Schmerz eine vorübergehende Erscheinung ist, die nicht ewig andauert.
Ich sah ihn zweifeln und auch wie er Angst bekam. Er zeigte mir, dass morgen ein neuer Tag ist und wir in der Lage sind, Probleme die uns zunächst schwächen zu Stärken zu machen.
Er erklärte mir, dass sich im Lauf der Zeit Werte und Bedürfnisse ändern. Da wir nicht wissen, was das Morgen bringt,machen wir das Beste aus dem „Heute“.
Jeder kann schwer erkranken oder anderen Problemen begegnen.Trotz dieser Schwierigkeiten oder auch nur weil unser Leben anders als geplant verläuft, kann es noch immer wunderschön sein, wenn wir das, was wir nicht ändern können, akzeptieren und uns auf die schönen Seiten des Lebens konzentrieren
Ihre Realität wird stark von Ihrer Mentalität beeinflusst. Aufgrund meiner Erfahrungen mit Nathan hat sich meine Einstellung zu dem ersten Satz dieses Artikels verändert. Was ich, nein was wir alle im Leben brauchen, sind Erlebnisse wie das geschilderte.
Wir alle benötigen Erlebnisse um uns zu ändern, zu lernen, uns und andere zu lieben, uns zu entwickeln und am wichtigsten uns bewusst zu machen, dass Zufriedenheit dadurch gesteigert werden kann, wenn wir zwischen dem, was wir brauchen, und dem, was wir wollen, unterscheiden können.

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